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Fokko Wolkenstein sind vor allem eins: über ihren Zenit hinaus. Macht aber nichts, denn der Abstieg des sympathischen Hallodri-Duos hat gewissermaßen Methode.

Was soll denn auch noch kommen, wenn schon das Debüt-Album den Namen „Ihre größten Erfolge“ trägt? Sei’s drum, 2014 rennen Hanno Harzbecker und Hannes Hoepfner mit Anlauf Richtung Abgrund. An den Füßen Siebenmeilenstiefel, und im Gesicht ein breites Grinsen. Fragt sich nur, warum das alles. Die Antwort: Weil sie nicht anders können.

Nicht, dass sie es nicht versucht hätten. Kennengelernt haben sich die beiden Querköpfe schon vor gut zehn Jahren. Aus gemeinsamen Band-Projekten erwächst schließlich Fokko Wolkenstein, sie schreiben, lesen und spielen – als selbsternanntes „Kunstprojekt“ entern sie die kleinen Bühnen der großen Stadt. Treibgut im Berliner Kreativstrom, Sternburg-Jahre.

Dann schlägt das zu, was gemeinhin als Leben tituliert wird. Ausbildung und Maloche fordern ihren Tribut. Fokko Wolkenstein gehen vorerst auf Tauchstation, Schleichfahrt durch den Alltag. Das feinjustierte Sonar aber bleibt intakt – und zeichnet akribisch die ernüchternden Umstände des Hier und Jetzt auf. Tag für Tag. Bis ein verkaterter Aufenthalt in einer Shopping-Mall auf einem Ausflug irgendwo in Westdeutschland das Fass zum überlaufen bringt.

„Es geht uns nicht darum, die Welt zu retten“, sagen Fokko Wolkenstein, „es geht darum, uns selbst zu retten.“ Das Hadern mit der Welt da draußen, dieses latente Nichteinverstandensein; all die Dinge, die sie tagein tagaus den Kopf schütteln lässt. Das alles muss mal raus.

Für diesen Entschluss muss man ihnen mehr als dankbar sein, denn Fokko Wolkenstein sprechen einem aus der Seele. Dieses Leben zwischen Entfremdung und Gewinnmaximierung, wer soll das ertragen? „Alle ham‘ kein Bock mehr, alles aus Pommes Frites“, wie Fokko Wolkenstein zu sagen pflegen. Spätestens nach diesem Satz ahnt man: Mit verkopfter Weltverbesserei hat das alles nichts zu tun. Mit einem kräftigen Durchlüften der eigenen Befindlichkeiten dafür umso mehr.

Im Sommer 2013 haben sich Fokko Wolkenstein dorthin zurückgezogen, wo schon vor Jahren alles vor die Wand gefahren ist. In eine Industrieruine in Brandenburg. Für ihre augenzwinkernde Abrechnung haben sie dort ihr eigens erfundenes Genre „Anti-Schlager“ weiterentwickelt. Mit Füßen aus Bratze und Deichkind, einem Kopf aus Goldenen Zitronen und tiefer Seelenverwandtschaft zu Gisbert zu Knyphausen.

Wer Fokko Wolkenstein auf der Bühne erlebt, ist dem Charme der Zwei-Mann-Kapelle in Windeseile erlegen. Denn ihren aussichtslosen Kampf gegen das Böse best- reiten sie mit entwaffnenden Mitteln. Fokko Wolkenstein sind mehr C-3PO als Terminator, fast erinnern sie an eine Art Dick und Doof reloaded. Sie spielen mit absoluter Hingabe – und haben vor allem das, was ihnen in dieser kalten, beschissenen Welt am allermeisten fehlt: Herz.

Zum Ende ihrer Shows bleiben sie zurück als menschge- wordene Klumpen aus Glückseligkeit. Schweißgebadet, aber erfüllt. Vielleicht sollte man die Sache mit dem Zenit doch noch einmal überdenken. Lieber schon mal einen Platz im Plattenschrank freiräumen. Am 05.04.2014 ist ihr neues Album „Nie Wieder Hunger“ erschienen. Erhältlich als CD, LP über Bandcamp oder digital überall wo es Internet gibt.

Text: Jörn Lange

Credits
Fotos: Phillip Zwanzig
Web: Superhannes
Text:Jörn Lange